Vorhofflimmern - PulsmessungDas Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung des Menschen. Ältere Personen sind besonders stark betroffen. Vorhofflimmern ist in der Regel nicht lebensbedrohlich. Allerdings erhöht es die Gefahr für einen Schlaganfall und kann auch zu Herzinsuffizienz (Herzschwäche) führen. Beim selteneren Vorhofflattern schlägt das Herz sehr schnell, aber regelmäßig.

Was passiert beim Vorhofflimmern?

Beim Vorhofflimmern /- flattern kommt es zu einer unkontrollierten chaotischen Erregungsausbreitung in den Vorhöfen der beiden Herzkammern. In der Folge verlieren die Vorhöfe ihre Schlagkraft und ihr Beitrag für die Herzleistung fällt weg. Da die geordnete Erregungsausbreitung von den Vorhöfen zu Kammern fehlt, schlagen auch die Kammern unregelmäßig und häufig zu schnell, manchmal aber auch zu langsam. Beides kann die Herzleistung herabsetzen. Beide Störungen können zu einem Abfall des Blutdrucks führen.

  • Von einem zu schnellen Herzschlag (Tachykardie) spricht man, wenn mehr als 100 Schläge / Min. auftreten.
  • Von einem normalen Herzschlag (Normokardie) spricht man, wenn zwischen 60 – 80 Schläge / Min. auftreten.
  • Von einem zu langsame Herzschlag (Bradykardie) spricht man, wenn weniger als 60 Schläge / Min. auftreten

Darüber hinaus kann es durch die Verlangsamung des Blutflusses in den Vorhöfen  zu Gerinnselbildungen kommen. Diese Gerinnsel wandern mit dem Blutstrom oft ins Gehirn und verursachen dort Schlaganfälle.

Das Vorhofflimmern tritt anfangs meist nur hin und wieder auf, wird mit der Zeit dann aber häufig dauerhaft. Man unterscheidet:

  • Paroxysmales Vorhofflimmern: Tritt gelegentlich auf und wechselt dann von allein wieder zu normalem regelmäßigen Herzrhythmus (Sinusrhythmus).
  • Persistierendes Vorhofflimmern besteht länger (> 7 Tage), kann aber durch Therapie wieder beseitigt werden.
  • Permanentes Vorhofflimmern besteht dauerhaft und ist in der Regel nicht mehr zu beheben.

Ursachen

Bei ca. 3-8% der Fälle findet sich ein Vorhofflimmern ohne eine organische Ursache. (sog. Lone atrial fibrillation). Dieser Typus von Vorhofflimmern tritt nur gelegentlich auf.

Meist jedoch ist das Vorhofflimmern Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung.

Als mögliche Ursachen werden gesehen:

  • Bluthochdruck
  • Verkalkung der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose), Herzinfarkt
  • Herzklappenfehler
  • Entzündliche Herzmuskelerkrankungen (Myocarditis, Cardiomyopathie)
  • Entzündliche Herzbeutelerkrankungen (Pericarditis)
  • Überfunktion der Schilddrüse
  • Alkohol- oder Drogenexzesse

Wann soll ich die Kardiologin aufsuchen?

Kontaktieren Sie Ihre Kardilogin, wenn sie:

  • an unregelmäßigem, oft zu schnellem Herzschlag (Tachykardie) leiden
  • Luftnot (Dyspnoe) haben
  • Schmerzen in der Brust (Angina pectoris) verspüren
  • unter Übelkeit, Unwohlsein, Unruhe leiden
  • Schwindel oder sogar Bewusstseinsstörung haben
  • sehr leicht ermüdbar sind

Was geschieht bei der Kardiologin?

Bevor spezifischere Untersuchungen durchgeführt werden, wird Ihre Kardiologin Sie ausführlich zu den aktuellen und eventuell auch zu zurückliegenden Beschwerden sowie zu bereits bestehenden Erkrankungen befragen (Anamnese).

Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

1. Symptombezogene Fragen:
– Wie genau äußern sich Ihre Beschwerden? Nehmen Sie hierzu gerne Bezug auf die oben aufgeführte Liste der Leitsymptome
– Können Sie beschreiben wo im Körper Sie Probleme verspüren?
– Seit wann und in welchen Abständen bestehen Ihre Beschwerden?
– Gab oder gibt es Schwankungen im Verlauf und der Intensität?
– Haben sie sonstige Beschwerden, die zwar nicht akut auftraten, unter denen Sie aber zusätzlich leiden?
– Leiden Sie unter einer chronischen Erkrankung und befinden Sie sich damit bereits in Behandlung?
– Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
– Fragen zu Ernährungsgewohnheiten, Genussmittelkonsum und sportlichen Aktivität

2. Fragen zur Familiensituation
– ggf. gehäuftes Auftreten ähnlicher Symptomatik

3. Fragen zu Ihrer beruflichen Situation
– Stresslevel
– zeitliche Beanspruchung

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Die funktionelle Untersuchung der Herzrhythmusstörungen erfolgt auf Grundlage des Beschwerdemusters und der Intensität der Symptomatik.

Nach dem Gespräch, in welchem die Kardiologin Ihren aktuellen Ist-Zustand erfasst, umfasst die ausführliche Untersuchung auch die Blickdiagnostik, (Inspektion), das Abklopfen (Perkussion) sowie das Abhören (Auskultation) des Brustkorbes (Thorax). ERst danach werden weitere Untersuchungen angeordnet. Dazu gehört unter anderem:

  • Blutbild
  • EKG (Elektro-Kardiogramm) lässt Vorhofflimmern deutlich erkennen
  • 24 h-Langzeit-EKG oder Event Recorder bei nur gelegentlichem Vorhofflimmern
  • Echokardiographie zum Ausschluss von Herzerkrankungen
  • Belastungs-EKG oder Stress Echo zum Ausschluss einer Herzdurchblutungstörung
  • Schluck-Echo zum Ausschluss eines Blutgerinnsels im Herzen
  • Herzkatheteruntersuchung

Wie wird das Vorhofflimmern behandelt?

Die Behandlung des Vorhofflimmerns kann mit 2 unterschiedlichen Zielen erfolgen:

  • Die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung des normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus)
  • Die Normalisierung der Herzfrequenz und Kontrolle der Symptome bei weiter bestehendem Vorhofflimmern.

Eine Therapie zur Prophylaxe von Schlaganfällen mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten muss meist unabhängig von der eingeschlagenen Strategie erfolgen.

Folgende Behandlungsmöglichkeiten stehen heute zur Verfügung:

  • Behandlung der ursächlichen Erkrankung
  • Kardioversion (Elektrotherapie): Durch einen Stromimpuls von außen wird wieder ein normaler Sinusrhythmus hergestellt.
  • Medikamentöse Behandlung: Antiarrhythmika (den Herzrhythmus regulierende Medikamente, wie z.B. Betablocker)
  • Katheter-Ablation (Verödungstechniken): Bei diesen minimal-invasiven Verfahren werden ungünstig leitende Strukturen im Vorhof des Herzens durch elektrische Impulse, die mit einem über die Venen ins Herz eingeführte Katheter abgegeben werden, durchtrennt (verödet) und damit funktionsunfähig gemacht.
  • Schrittmachertherapie bei Bradykardie (zu langsamer Herzschlag)

Sofortmassnahmen bei Tachykardie ohne organische Ursache sind:

  • Ruhe bewahren
  • eiskaltes Wasser trinken
  • Luft anhalten
  • Husten oder Bauchpressen wie beim Stuhlgang

Dieses sind einfache Maßnahmen, die das Herz zum Grundrhythmus zurückfinden lassen können. Auch wenn sie zum Erfolg führen, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um eine organische Herzerkrankung auszuschließen.

Prävention (Vorbeugung)

Eine effektive Prävention gegen das Vorhofflimmern gibt es außer einer gesunden Lebensweise nicht.

Prognose

Die Prognose ist abhängig von der zu Grunde liegenden Erkrankung.
© CHHG