Herzschmerzen – Sind sie gefährlich?

Der Begriff Herzschmerzen beschreibt ein Symptom. Es gibt viele Gründe warum Herzschmerzen auftreten Können. Nicht immer ist das Herz die Ursache. Daher ist eine gute abläfung bei der Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie wichtig.

Wann entstehen Herzschmerzen?

Lungen, Zwerchfell, Speiseröhre, Magen oder auch Gleenkbeschwerden können Herzschmerzen auslösen.

Die Schmerzsymptomatik variiert dabei von „hellen“, stechenden Schmerzen über ein dumpfes Druckgefühl bis hin zu starken Vernichtungsschmerzen.

Wie funktioniert das Herz?

Das Herz, der „Motor“ unseres Körpers, pumpt durch rhythmische Kontraktionen circa vier bis sechs Liter Blut pro Minute durch den menschlichen Körper. Es besteht aus einem funktionellen Zusammenschluss aus untereinander kommunizierenden Herzmuskelzellen (Myokardzellen, Myozyten), die über elektrische Impulse zur koordinierten, annähernd zeitgleichen Kontraktionen angeregt werden.
Die Myozyten bilden in ihrer Gesamtheit den Herzmuskel (Myokard) sowie den grundlegenden ultrastrukturellen Mechanismus der Pumpfunktion. Eingefasst in den Herzbeutel (Perikard), einer festen bindegewebigen Hülle, liegt das Herz zentral hinter dem Brustbein (Sternum) im sogenannten Mediastinum, einem Bereich zwischen den beiden Lungenflügeln.
Dort verlaufen zusätzlich wichtige Strukturen: Sowohl die großen Gefäßabgänge des Herzens, wie beispielsweise die Brustaorta (Aortenbogen, Aorta thoracica), als auch die große obere Hohlvene (Vena cava superior) und neben feinen Nervengeflechten des sympathischen Nervensystems auch der „Eingeweidenerv“ (Nervus vagus) zur Versorgung der Bauchorgane sowie die Speiseröhre (Ösophagus), die unterhalb des Zwerchfelldurchtritts in den Magen übergeht. Zudem ist im Mediastinum der Ductus thoracicus, der sogenannte „Brustmilchgang“, zu finden. Dies ist ein zentrales Lymphgefäß, das den Lymphabfluss aus den unteren Körperpartien führt.
Herzschmerzen werden von Betroffenen häufig als diffus hinter dem Brustbein liegend, teilweise in Kopf-, Hals- und Rückenbereich oder den Arm ausstrahlend beschrieben.

Ursachen für Herzerkrankungen

Da im Bereich des Mediastinums viele Strukturen verlaufen, können die Ursachen von Herzschmerzen ebenfalls äußerst variabel sein. Grundsätzlich kann jedoch die Angina pectoris-Erkrankung (Sternokardie), auch „akute Brustenge“ bezeichnet, als eine der wichtigsten Krankheitsbilder mit Herzschmerz – Symptomatik angesehen werden.
Verantwortlich dafür ist eine vorübergehende Minderdurchblutung (Ischämie) des Herzmuskels, meistens auf Grund einer Verengung der Herzkranzgefäße (Koronargefäße, Koronarien) durch verhärtete Fettablagerungen (Plaques, Arteriosklerose) in den Gefäßwänden.
Der akute Angina pectoris-Anfall ist normalerweise innerhalb einiger Sekunden wieder vorbei, er kann jedoch in schweren Fällen minutenlang andauern. Hervorgerufen wird er durch körperliche oder psychische Belastung. Unterschieden wird zudem zwischen der belastungsinduzierten Angina pectoris und einer bereits in Ruhe auftretenden Symptomatik. Letztere sollte dringend stationär überwacht werden, da von ihr akute Herzinfarktgefahr ausgehen kann.

Klassische Symptome bei akutem Angina pectoris-Anfall sind:

  • Schmerzen, Enge, Brennen, Druck oder Beklemmung hinter dem Brustbein mit Ausstrahlung in Nacken, Hals, Kiefer, die Arme oder den Oberbauch
  • Schmerzen zwischen den Schulterblättern
  • Missempfindungen oder ein Taubheitsgefühl in Arm, Schulter, Ellenbogen oder der Hand (meist linksseitig lokalisiert)
  • Plötzliche Atemnot
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schweißausbrüche
  • Beklemmendes, kloßiges Gefühl im Hals
  • Todes- und Erstickungsangst

Herzschmerzen hervorrufende Erkrankungen sind:

  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Herzinsuffizienz (Kardiomyopathie)
  • Herzinfarkt (Myokardinfarkt)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzinnenwand-, Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung (Endokarditis, Myokarditis, Perikarditis)
  • Herzklappenfehler
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel (Perikarderguss)

Differentialdiagnostisch von Herzschmerzen zu unterscheidende Erkrankungen sind:

  • Sonstige Raumforderungen oder Einengungen im Brustbereich, beispielsweise durch Tumoren, Zystenbildung oder Einatmen (Aspiration) von Fremdkörpern
  • Aortenaneurysma
  • Entzündungen der Luftröhre (Tracheitis)
  • Lungenerkrankungen: banaler Husten, Bronchitis, Lungenentzündung (Pneumonie), chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Asthma bronchiale, Lungenembolie
  • Flüssigkeitsansammlung im Lungenspalt (Pleuraerguss)
  • Zwerchfellreizung
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD), Sodbrennen, Zwerchfellhernie (Hiatushernie)
  • Entzündungen der Speiseröhre (Ösophagitis)
  • Erbrechen mit Reizung der Speiseröhrenschleimhaut
  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
  • Rippen-, Brustbein- oder Schlüsselbeinfrakturen
  • Deformation der Wirbelsäule, Bandscheibenvorfall, Wirbelkörperfraktur
  • Muskelverspannungen im Rückenbereich
  • Psychosomatische Ursachen ohne direkte organisch manifestierte, ursächliche Erkrankung
  • Übertriebene Fixierung auf das Herz mit eingebildeter Schmerzsymptomatik (Angst vor dem Herzversagen, Herzneurose, Herzphobie)
  • Allergische Reaktionen
  • Medikamentennebenwirkung

Was Sie selbst tun können

Kontaktieren Sie Ihre Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, wenn:

  • Sie einen akuten, vernichtenden Schmerz in der Brust verspüren und unter Atemnot leiden. Versuchen Sie, Ruhe zu bewahren und wählen Sie dringend den Ärztlichen Notruf (112). Sollte eine solche Symptomatik bereits aufgetreten sein, lassen Sie dies auch rückwirkend ärztlich abklären.
  • Sie unter Herz- oder Brustschmerzen leiden, die sie spontan keiner Ursache zuordnen können
  • Sie aktuell erkrankt sind und nun ein Schmerzgefühl in der Brust neuerlich aufgetreten ist.

Was Sie bei Ihrem Arzt erwartet

Bevor Ihr Arzt mit einer Untersuchung beginnt, findet ein einführendes Gespräch (Anamnese) über Ihre aktuellen Beschwerden statt. Im Rahmen dessen befragt er Sie ebenfalls zu zurückliegenden Beschwerden und eventuell bestehenden Erkrankungen.
Mit folgenden Fragen können Sie rechnen:

  • Seit wann leiden Sie unter Herzschmerzen? Gab es ein auslösendes Ereignis oder bestimmte Situation, in denen die Schmerzen gehäuft auftreten, beispielsweise bei körperlicher Betätigung oder nachts?
  • Können Sie den Schmerz genau beschreiben? Strahlt er in andere Körperpartien aus?
  • Haben sich im Verlauf der Symptomatik Veränderungen ergeben – ist er möglicherweise stärker geworden?
  • Litten Sie bereits schon einmal daran und sind diese Anzeichen familiär aufgetreten?
  • Bestehen aktuell Vorerkrankungen und werden diese therapiert?
  • Nehmen Sie derzeit Medikamente ein?
  • Sind Ihnen Allergien bekannt?
  • Leiden Sie unter Stresszuständen im Alltag?

Untersuchungen (Diagnostik)

Ausgehend von Ihrer in der vorangegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und Ihrem aktuellen Befinden kann der Kardiologe nun folgende Diagnostik anwenden:

  • Blutentnahme
  • Elektrokardiogramm (EKG), Belastungs-EKG
  • Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie), Stressechokardiografie
  • Bildgebende Verfahren, wie eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs, die Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Koronar-CT-Angiografie
  • Untersuchung der Durchblutung des Herzmuskels (Myokard-Perfusionsszintigrafie)
  • Herzkatheteruntersuchung mit einer Darstellung der Herzkranzgefäße (Koronarangiografie)

Sollte die Ursache Ihrer Herzschmerzen nicht im Bereich der Herzstrukturen lokalisiert sein, wird Ihr Kardiologe weitere organspezifische Untersuchungsmethoden anwenden, um eine Diagnose finden zu können.

Behandlungen (Therapie)

Der akute Angina pectoris-Anfall ist gut anhand eines Nitroglycerin-Sprays behandelbar. Dieses trägt der Betroffene stets bei sich und kann ein bis zwei Hübe bei Einsetzen der Symptome unterhalb der Zunge applizieren. Dabei wirkt das im Spray enthaltene Stickstoffmonoxid (NO) innerhalb von Sekunden maximal gefäßerweiternd, schafft damit initial eine Reduktion der Symptomatik und sichert die Durchblutung des Herzmuskels.
Weitere Herzerkrankungen können anhand verschiedenster medikamentöser und chirurgischer Therapieansätze behandelt werden. Ihr Kardiologe wird dazu auf Basis der Untersuchungsergebnisse ein geeignetes Konzept mit Ihnen besprechen.
Zu den gängigen Medikamenten in der Kardiologie zählen:Herzschmerzen-Angioplasty

  • Nitroglycerin-Spray (Nitrolingual)
  • Digitalisglykoside
  • Calciumantagonisten
  • Betablocker
  • Blutdrucksenkende Wirkstoffe (Antihypertensiva)
  • Diuretika
  • Antiarrhythmika

Je nach Diagnose werden verengte Bereiche (Stenosen) in den Koronararterien erweitert (dilatiert) und gegebenenfalls mit Drahtgeflechten (Stents) abgestützt.
Bei vielen Stenosen werden diese im Rahmen eines herzchirurgischen Eingriffes überbrückt (Bypasslegung).

Wie können Sie vorbeugen?

Hier finden Sie einige Hinweise zur Lebensgestaltung, die dazu beitragen können, Ihre Herzgesundheit lange aufrecht zu erhalten:

  • Treiben Sie regelmäßig Sport. Trainieren Sie unter Kontrolle der Herzfrequenz in einem Belastungspulsbereich der Ihnen von Ihrem Arzt je nach Diagnose und Alter empfohlen wird.
  • Ernähren Sie sich gesund, ausgewogen, vitamin- und ballaststoffreich. Übergewicht (Adipositas) und ein zu hoher Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie) sind die hauptsächlich begünstigenden Faktoren für die Entstehung von Plaqueablagerungen in den Gefäßwänden, die wiederum einen Herzinfarkt oder Schlafanfall auslösen können. Vermeiden Sie dazu möglichst cholesterinreiche Lebensmittel, sowie gehärtete Fette (Butter, Margarine). Die in kaltgepressten Ölen, Fisch, Nüssen und Avocado enthaltenen ungesättigten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren bewirken eine Senkung des Cholesterinspiegels und beugen somit der Bildung einer Arteriosklerose entgegen. Bei bereits bestehendem Übergewicht sollten Sie über eine gezielte Ernährungsumstellung sowie angeleitetes, vorsichtiges körperliches Training versuchen, Ihr Gewicht zu reduzieren.
  • Reduzieren Sie Ihr Stresslevel. Gönnen Sie sich Pausen während der Arbeit. Atmen Sie hin und wieder mal tief durch. Insbesondere die Anforderungen des Alltags sowie die Gewohnheit, viele Dinge parallel erledigen zu wollen, können sich körperlich in einer chronisch beschleunigten Herzfrequenz sowie einem Bluthochdruck manifestieren.
  • Geben Sie das Rauchen auf.
  • Sollten Sie an einer diagnostizierten Angina pectoris leiden, vermeiden Sie stark erregende Situationen und Extremsportarten, die einen hohen Adrenalinausstoß bewirken. Auch Wettkampfsituation sollten gemieden werden.

Prognose

Auch bei bestehender Angina pectoris können Betroffene unter möglichst gesunder Lebensweise und Umgehung von potenziell einen Anfall auslösenden Situationen meist ein unbeschwertes Leben führen. Je nach Schwere der diagnostizierten Herzerkrankung und Wirksamkeit der therapeutischen Intervention kann teilweise sogar eine völlige Beschwerdefreiheit erlangt werden. Häufig ist dazu jedoch eine lebenslange Medikamenteneinnahme notwendig.

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